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Verspotten-verleumden-verfolgen-vernichten: Feindbilder gestern und heute

„Jeder Stoß ein Franzos, jeder Tritt ein Brit, jeder Schuss ein Russ!“ Diese unmissverständlichen Gewaltaufforderungen lernten die Kinder in deutschen Schulen 1914. Der eigene Größenwahn ging einher mit der Erniedrigung und Verächtlichmachung benachbarter Völker. Das war damals, könnte man meinen, und ist lange her.

Natürlich ist heute bei uns ein sog. „Gauchotanz“ frischgebackener Weltmeister geistig meilenweit davon entfernt. Aber muss man sich nach einem glücklichen Zittersieg im WM- Endspiel gegen Argentinien tatsächlich über angeblich kleinwüchsige und krumm-beinige Gauchos erheitern, während die groß gewachsenen Deutschen stolz und aufrecht gehen? Vielleicht rührte diese peinliche Zwischeneinlage der WM-Fußballer ja aus einer Sektlaune heraus. Was aber führende Medien bei uns dazu schreiben, ist der eigentliche Skandal: So verteidigt die führende Sonntagszeitung das ohnehin falsche „Gaucho-Klischee’noch, polemisiert gegen sog. ‚political Correctness’ und ‚Gutmenschen’ und meint in einem Kommentar v. 20.7.14 noch, man sei es leid, in Deutschland immer nur Rücksicht auf die Ausländer zu nehmen.

Merke: Feindbilder fangen alle mal klein an und beginnen mit dem Verspotten und Verleumden anderer vermeintlich schwächerer Menschen.

2.) Das galt und gilt auch für die Innenpolitik:

Aktuell werden bei uns öffentlich Flüchtlinge aus den Balkanländern als ‚Sozialbetrüger’ verleumdet, die ‚fliegen’ sollen- nach Hause natürlich, wo die Lebens-bedingungen für sie unerträglich geworden sind und z.B. Sinti und Roma unter gewalt-tätiger rassistischer Verfolgung leiden. ( Mit ‚ Sozialbetrüger’ meinen gewisse Politiker und Journalisten übrigens nicht die einheimischen Millionäre und Superreichen, die jährlich Zig-Milliarden Euro an Steuergeldern dem Fiskus vorenthalten und so den eigenen Staat betrügen und finanziell schwächen !)

3.) In der Außenpolitik wechseln Feindbilder manchmal schnell und verkehren sich

rasch in ihr Gegenteil: Der „Paulus“ von heute wird so bald zum „Saulus“ von morgen und umgekehrt. Z.B.:El Khaida u. Osama Bin Laden, die Mudschahiddin,, jetzt Isis,

erhielten vorher als ‚ Freunde der Demokratie u. Kämpfer gegen die Diktaturen’ umfangreiche moralische und militärische Unterstützung des Westens, bevor sie öffent-lich untragbar wurden und zu offenen Feinden mutierten.

Auch W. Putin wurde noch vor gar nicht so langer Zeit öffentlich von deutschen KanzlerInnen als ‚lupenreiner Demokrat’ bezeichnet bzw. mit Küsschen empfangen. Jetzt ist er zum Medienteufel an sich geworden, der für alle Missetaten in der Ostukraine verantwortlich ist und wirtschaftlich ( bald wohl auch militärisch?) ‚in die Schranken verwiesen werden muss’ – auch wenn das die Gefahr eines 3. Weltkrieges beinhaltet !

Wohlgemerkt: Herr Putin war und ist beileibe nicht mein Freund und seine nationalis-tische Politik hat klare Ablehnung verdient. Aber steht er mit diesem Ultra-Nationalismus wirklich allein? Was ist mit den politischen und militärischen Aktionen der nicht gewählten ukrainischen Übergangsregierung? Einer Regierung, in der vier Minister und etliche Schlüsselpositionen wie der Generalstaatsanwalt oder der Vorsitzende des Verteidigungsrates von Angehörigen der mit der NPD verbundenen rechtsradikalen Swobodapartei stammen und offen zum Mord an Juden und Russen aufrufen? ( Swoboda wurde übrigens vom Jüdischen Weltkongress als neonazistisch eingestuft.) Es geht dabei also nicht um irgendwelche unwichtigen Pöstchen oder um bloßes ultra-nationalistisches Geschwafel. Der Mord an über 300 eingeschlossenen Menschen im brenennenden Gewerkschaftshaus von Odessa ist dafür ein klarer Beleg und hoffentlich noch nicht in Vergessenheit geraten…

(Ebensowenig, wie die 650-Mio-$ Militärhilfe der USA an die Ukraine Anfang des Jahres.- samt der damit etsandten ‚Militärberater’.)

4.) Der andere große aktuelle Konfliktherd ist der Nahe Osten – besonders der Gaza-Streifen. Dabei ist zuerst ganz klar festzuhalten, dass die Hamas mit ihrem individuellen Terror gegen Israelis immer wieder neue Gewaltspiralen provoziert und vernünftige und humane Zwischenlösungen wie Feuerpausen und Waffenruhen verhindert oder vorzeitig beendet. Aber das blendet nicht die brutale Gewalt aus, die die israelische Regierung und ihr Militär auf die Zivilbevölkerung in Gaza ausüben, auf die gezielte Bombardierung von Schulen und Krankenhäusern, selbst wenn sie von der UNO er-richtet wurden.

Auch durch meine langjährigen Studien, Vorträge und Veröffentlichungen über Widerstand und Verfolgung im Kreis ME während der Nazizeit wurden hier jüdische Schicksale aufgedeckt, konnten einige Stolpersteine für die Opfer der Judenverfolgung von 1933 – 45 verlegt und alljährlich geehrt werden.

Daher lasse ich mir in meiner sachlichen Kritik an den brutalen Militäraktionen der israelischen Armee keinen Antisemitismus unterschieben.

Meine volle Unterstützung gehört in diesen Tagen den bewundernswerten Freunden der israelischen Friedensbewegung, die trotz aller Unterdrückung im eigenen Land in Tel Aviv demonstriert und ein Ende des Schreckens in Gaza gefordert habenUnd ich fühle mich auch sehr verbunden mit der Erklärung von 327 Hlocaust-Überlebenden und ihren Angehörigen in der New York Times v. 23.8.14, in der diese das israelische Vorgehen im Gaza-Streifen kritisieren und zu einer sofortigen Beendigung der Belagerung und Blockade des Gaza-Streifens aufrufen.

5.) Was die im öffentlichen Medien-Mainstream bei uns geforderten Waffenlieferungen

an die Peschgaren im Nordirak angeht, so stellen diese einen klaren Paradigmen-Wechsel der deutschen Außenpolitik dar. So fragwürdig auch die bisherigen Waffenexporte Deutschlands schon waren, mussten sie sich doch wenigstens formal an dem jahrzehntelangen Verbot der Lieferungen in Krisengebiete messen lassen.

Diese wichtige Einschränkung ist nun innerhalb weniger Wochen vom Tisch, ohne dass der Bundestag oder gar die Bevölkerung darüber abstimmte – die in Umfragen zu über 2/3 dagegen ist ! Denn 8 Minister der großen Koalition stimmten dafür-das reichte wohl.

6.) Ich frage mich schon, wo in der täglichen Berichterstattung Ausgewogenheit und fundierte Anlayse bleiben. Die Fähhigkeit zu differenzieren scheint weitgehend abhanden gekommen, der Hang zum einseitig Vereinfachenden, zum berüchtigten

scheinbar „alternativlosen“ Handeln hat wohl die Oberhand gewonnen. Konsequenter Pazifismus, der die wahren Ursachen und Nutznießer von Kriegen benennt, wird wieder öffentlich diffamiert, wie z.B. die ehemalige EKD-Vorsitzende Margot Käßmann mit ihrer klaren Ablehnung von Waffenexporten überhaupt. Wenn hier ehemalige Außenminister in der führenden Sonntagszeitung vor einer sog. „Käßmannisierung der dt. Außenpolitik“ warnen, dann erkläre ich mich hier und heute ausdrücklich mit Frau Käßmann und ihrer klaren und mutigen Friedensposition solidarisch !

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